Termine

2022:

21. April – 19.00 Uhr – Hörsaal H 0110 – TU Berlin, Straße des 17. Juni 135 (Berlin-Charlottenburg)

Iranische Zustände. Zwischen Antisemitismus, deutschem Appeasement und feministischen Kämpfen.
Ein Gespräch mit Mina Ahadi und Matthias Küntzel.

Während aktuell andere Themen und Schauplätze die Nachrichten bestimmen, verfolgt, unterdrückt und mordet das iranische Regime ungehindert weiter: Allein im Januar 2022 wurden mindestens 46 Menschen hingerichtet, zahlreiche weitere, darunter Kritiker*innen des Regimes, warten in den Gefängnissen des Ayatollah-Regimes auf die Vollstreckung. Auch die Drohungen gegen Israel werden beständig erneuert: So ist es ein eindeutiges Zeichen, dass jüngst ausgerechnet Ahmad Vahidi Innenminister werden konnte. Vahidi wird mit internationalem Haftbefehl von Interpol gesucht – er gilt als einer der Hauptverantwortlichen des Anschlags auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994, bei dem 85 Menschen ermordet wurden.

Die autoritäre Politik der islamistischen Herrscher baut sowohl auf antisemitischen Verschwörungserzählungen als auch auf der Unterdrückung Oppositioneller und dem Hass auf Frauen und Queers auf. Ihnen drohen Schikanen der „Sittenpolizei“, Haft, Folter und Mord.

Über beides, die antisemitische Staatsdoktrin und den Hass auf Emanzipation und Freiheit, werden wir mit Mina Ahadi und Matthias Küntzel sprechen. Gemeinsam werden wir über Antisemitismus, Menschenrechtsverletzungen und die Wirtschaftsbeziehungen diskutieren, die die Bundesrepublik Deutschland ungeachtet all dessen weiterhin fleißig ausbaut.

Mina Ahadi ist eine iranisch-österreichische Aktivistin, die seit Jahrzehnten für Frauen- und Menschenrechte kämpft. Sie war aktiv in der linken Opposition gegen den Schah und kämpfte später gegen das islamistische Regime im Iran, davon war sie zehn Jahre im Widerstand in Iranisch-Kurdistan gegen das Ayatollah-Regime aktiv, bevor sie nach Wien flüchten musste. 2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung und 2004 das Komitee gegen Todesstrafe.

Matthias Küntzel arbeitet und publiziert seit den 1980er Jahren zum Nahen Osten, Islamismus und dem Iran. In zahlreichen Publikationen warnt der Historiker vor der nuklearen Bedrohung durch das Ayatollah-Regime. 2019 erschien sein aktuelles Buch: „Nazis und der Nahe Osten. Wie der islamische Antisemitismus entstand“.

Wir bitten um das Tragen einer FFP2-Maske während der Veranstaltung und um einen tagesaktuellen Schnelltest. Zudem ist auf die Einhaltung der 2G-Plus Regelung zu achten. Für ausreichend Abstände am Veranstaltungsort ist gesorgt.

 

28. April – 20.00 Uhr – loge. – Kinzigstraße 9 (Berlin-Friedrichshain)

Pro Kopftuch und kontra Abtreibung. Über die Frauenverachtung von christlichem und islamischem Fundamentalismus in zunehmend autoritären Zeiten. Vortrag und Diskussion mit Koschka Linkerhand

Die Kritik der Religion ist im Feminismus ziemlich eingeschlafen. Dabei wird die aktuelle autoritäre Revolte gegen die Selbstbestimmungsrechte von Frauen, Mädchen und LGBTI nicht nur von Faschist*innen, sondern auch von fundamentalistischen Religionen befeuert. Im Vortrag soll das anhand des Kopftuchgebots im politischen Islam und des Abtreibungsverbots im Katholizismus vergleichend erläutert werden. Was ist die Aufgabe einer feministischen und antifaschistischen Religionskritik?

Eine Veranstaltung der TKA Berlin im Rahmen der Aktionen des Antifaschistischen Berliner Bündnisses gegen den Al Quds Tag.

Der Zutritt zur Veranstaltung wird unter 2G-Plus-Bedingungen gewährt und erfordert einen tagesaktuellen Schnelltest.

 

30. April 2022 – tba

 

18. Mai – 19.00 Uhr – k-fetisch – Wildenbruchstr. 86 (Berlin-Neukölln)

Zwischen „Profitgier“ und „Weltverschwörung“
Was falscher Antikapitalismus mit Antisemitismus zu tun hat
Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Klima, Corona, Krieg und Hunger – die Krisen jagen sich. Sie haben viel mit der herrschenden Wirtschaftsweise zu tun – dem Kapitalismus. Unendliches Wachstum ist ihm wichtiger als Mensch und Natur, maximaler Profit wichtiger als Gesundheit und Lebensqualität, steigende Aktienkurse wichtiger als das Leben künftiger Generationen. Der Kapitalismus hat uns in eine Sackgasse geführt. Viele sind gegen ihn, doch haben sie ihn auch verstanden?
Gesellschaftskritik wird oft mit Wut auf „die Schuldigen“, „Lügenpack“ und „Lügenpresse“ verwechselt. Viele phantasieren – z.B. im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie – von einer Weltverschwörung „profitgieriger Milliardäre“, die die sie ins Unglück stürzen wollen. Die Nationalsozialisten setzten die eingebildeten „Gierigen und Mächtigen, die im Geheimen wirken und die Welt versklaven wollen“ mit „den Juden“ gleich. Doch auch wer das nicht tut, kann sich in einer gefährlichen Nähe zum Antisemitismus befinden, ohne sich darüber im Klaren zu sein.
Viele Linke glauben, sie seien resistent gegen Antisemitismus, weil sie Antirassist*innen sind. Doch Antisemitismus ist etwas völlig anderes als Rassismus. Er ist ein Welterklärungssystem mit antikapitalistischem Anspruch, das nichts vom Kapitalismus kapiert hat. Auch Linke, die die abstrakte Herrschaftsform von Markt und Kapital nicht durchschauen und von „der profitgierigen Kapitalistenklasse“ reden, haben den Kapitalismus nicht verstanden. Sie sind zwar selten Antisemit*innen, aber häufig anfällig für antisemitische Denkmuster. Geschichte und Gegenwart der Linken sind voller Beispiele dafür.
Einfache Welterklärungen und Verschwörungsphantasien haben in Krisenzeiten Hochkonjunktur. War die Coronaleugnerei das Ende der Fahnenstange? Welchen Wahn wird vermeintliches „Querdenken“ noch hervorbringen? Werden Linke dem wirklich etwas entgegenzusetzen haben? Eine reflektierte Kapitalismuskritik, die sich wesentlich vom herrschenden Bauch-Antikapitalismus unterscheidet, ist heute nötiger denn je.

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. für konkret, Jungle World und Emanzipation und Frieden.


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